Vorwort

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Es war die Suche nach Vergleichsbeispielen für Wohnbaufragmente aus der Zeit um 1100 in Freiburg im Breisgau, von denen ich zwischen 1992 und 1998 für die Freiburger Stadtkernforschung und Monumentenarchäologie eine Anzahl dokumentierte, die schließlich zur Erforschung von Steinhäusern in Cluny führte. Sie gab 1993 Anlass, mit meinen ehemaligen Lehrern an der École dʼArchitecture de Marseille Kontakt aufzunehmen. Über die Universität Aix-en-Provence1 und die D.R.A.C. Provence-Alpes-Côte dʼAzur2 wurde der Weg in das Netzwerk der französischen Hausforschung hinein geebnet. Dem Rat von Maurice Scellès (Inventaire Midi-Pyrenées) und dem Engagement von Pierre Garrigou Grandchamp (Société française dʼarchéologie) ist es zu verdanken, dass ich im Juni 1994 nach Cluny eingeladen wurde.

Dort boten ein reicher, qualitätvoller romanischer Baubestand sowie umfassende bereits geleistete Forschungen, die vom Centre dʼétudes clunisiennes unter der Präsidentschaft von Jean-Denis Salvèque getätigt und gesammelt wurden, umgehend die Möglichkeit von neuen Aufschlüssen über das städtische Steinhaus der Zeit um 1100, für das in Frankreich noch keine gesicherten Erkenntnisse vorlagen. Dieses Forschungsfeld wurde 1996 an der Fakultät für Architektur der Universität Karlsruhe (TH) als Dissertationsvorhaben angenommen. Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Stadthaus von Cluny als historischer Quelle wurde während der Ateliers clunisiens im Jahr 2000 mit dem Leitthema „Les maisons médiévales de Cluny comme document historique“ offenkundig. Von 2002 an ermöglichte das Forschungsprojekt „Steinhaus und Stadtanlage um 1100“ am Institut für Kunstgeschichte der Universität Würzburg die ergänzende Beschäftigung mit der Stadtentstehung von Cluny, zu der aus der laufenden Bauuntersuchung zahlreiche neue Ansatzpunkte hervorgingen. Als Teilergebnis ließen die Untersuchungen zu Häusern und Stadt mit wachsender Klarheit Eigenschaften zeitgebundener Bauplanung und –realisierung sowie insgesamt der Raumbewältigung gewahr werden, die auch in Schrifttum und Ikonographie erkannt wurden und den Blick auf die Rezeption antiken Bauwissens im Hochmittelalter lenkten.

Mehr als die Hälfte der zwischen 1994 und 2010 untersuchten Bauwerke wurden während der Dokumentation umgebaut, restauriert und für Besichtigungen zugänglich gemacht. Die Eigentümer investierten Zeit, Geld und Arbeit in Erhalt und Reaktivierung exemplarischer historischer Bausubstanz. Ihnen sei im Namen des Fachs Baugeschichte gedankt. Danken möchte ich auch allen namentlich ungenannten helfenden Händen bei der Befundaufnahme.

Als Betreuer hat Wulf Schirmer den unbeirrten Anspruch der Auswertung des Bauwerks als Quelle vorgegeben. Ich danke ihm wie auch seinem Nachfolger Johann Josef Böker für das Interesse am Thema. Fernerhin hoffe ich, die Arbeit im Sinn von Walter Haas beendet zu haben. Nach ihm hat Johannes Cramer auf unkomplizierte Weise das Korreferat übernommen. Immo Beyer verdanke ich die Vermittlung von Methoden der Antikenforschung und den ersten analytischen Zugang zum hochmittelalterlichen Wohnbau. Stefan Kummer danke ich für die universitäre Verankerung des Forschungsprojekts „Steinhaus und Stadtanlage“. Namhafte Fürsprecher fand ich in Hans W. Hubert und ganz besonders Hans-Joachim Gehrke. Die französischen Kollegen Pierre Garrigou Grandchamp und Jean-Denis Salvèque haben mir in liberaler Weise über ihre Forschungen Auskunft gegeben. Ich verdanke ihnen viele weitere Anregungen und die vorbehaltlose Aufnahme als Forschungspartner im Centre dʼétudes clunisiennes. Ihnen und zahlreichen Einwohnern von Cluny danke ich für den Zugang zu ihren Häusern sowie auch Beherbergung, allen voran Elisabeth und François de Mourges.

Für Anregungen, Auskünfte, Befundfotografie, münzkundliche Begutachtung, zur Verfügung gestelltes Plan– und Bildmaterial, Lektorieren sowie für Hilfe bei der Digitalisierung danke ich Edson Clement Armi, Jean-Lucien Bonillo, Hanno Brockhoff, Jean-Marc Chancel, Christian Dormoy, Yves Esquieu, François Fray, Alain Guerreau, Wolfgang Hauck und dem Bauamt Buchen (Odenwald), Christina Jaquet, Ulrich Klein, Dominique Pitte, Sabine Pickenhain, Klaus Rheidt, Nadine Roiné, Maurice Scellès, Jana Schmidt, Norbert Stachura, Neil Stratford, Heiko Unangst, Christoph Uricher, Hans-Peter Vieser, Eckhard Wirbelauer und Thomas Zupp. Für die Einsicht von Dokumenten und die Erlaubnis, Denkmale im jeweiligen Verwaltungsbereich zu untersuchen, habe ich dem Service Régional de lʼArchéologie in Dijon, dem Musée dʼart et dʼarchéologie in Cluny, der Verwaltung des Site de lʼancienne abbaye und der Stadtverwaltung Cluny zu danken, vor allem aber dem Service Départemental de lʼArchitecture et du Patrimoine in Mâcon. Dank gilt auch der École Nationale Supérieure dʼArts et Métiers für die Erstellung einer Echtzeitsimulation des ‚Saalbau mit hohem Wohnhaus‘, die unter Michel Gouillerot von Yves Rogez und Benjamin Roy als Projet de Fin dʼÉtudes erarbeitet wurde.

Die Arbeit wurde zunächst durch einen Kostenzuschuss der Koldewey-Gesellschaft und ein Landesgraduiertenstipendium der Universität Karlsruhe gefördert. Der Hauptteil wurde durch die Förderung des Forschungsprojekts „Steinhaus und Stadtanlage. Hochmittelalterliche Stadtentstehung in Freiburg im Breisgau und in Cluny“ und ein Promotionsstipendium von der Gerda Henkel Stiftung finanziert. Von privater Seite beteiligten sich Immo Beyer, Lisa und Thomas Birkenmeier, Fritz Dänzer-Vanotti, Karl-Jörg Gisinger (Gisinger Gruppe), Konrad Huber, Angelika und Udo Janßen, Sven Janßen, Claudia und Georg Schifferdecker, Volker Schneider und Jürgen Thoß. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Cottbus, im April 2014

Bernhard Flüge

Fußnoten

Centre de Documentation du Groupement de Recherche Nord-Méditerranée.

Direction Régionale des Affaires Culturelles / Service Régional de lʼInventaire.